Was bedeutet Metamorphose?

Der Begriff Metamorphose hat seinen Ursprung in der griechischen Sprache und bedeutet: Verwandlung sowie Entwicklung. Die Metamorphose begleitet uns durch das Leben, sie ist aber auch oft ein beliebtes Motiv in der Kunst.

Der metamorphische Vorgang ist in der Natur allgegenwärtig: Die Raupe wird zum Schmetterling, der Samen zum Baum und das Kind zum Erwachsenen. Schaut man sich die Kunst an, ist allein das künstlerische Schaffen eine Art Metamorphose. Die leere, weiße Leinwand wird mit Farbschichten bedeckt, bis sie ein fertiges Ölgemälde ist und ein Klumpen Lehm verwandelt sich in eine Skulptur. Metamorphose und Kunst gehen also Hand in Hand.

Metamorphose und ihre bedeutung in der Kunst

Künstler waren schon immer von den Variationen der Metamorphose fasziniert. Die Bildende Kunst hat die Fähigkeit, den stetigen Wandel in einem Augenblick festzuhalten. Ein Beispiel: Der Betrachter eines Aquarellbilds von einem blühenden Kirschbaum, denkt dabei nicht an den winzigen Kirschkern, aus dem der wunderschöne Obstbaum gewachsen ist, oder an das zukünftige Baumgerippe im Winter. Aber all diese Phasen der Metamorphose sind trotzdem in dem Kunstwerk enthalten, es wird ein Bruchteil der Entwicklung verewigt.

In alten Kunst-Gemälden, aber auch in neueren Werken, werden manchmal die Lebensphasen des Menschen dargestellt oder man sieht im Hintergrund eines Landschaftsbildes eine Ruine, die nahezu von einem prachtvollen Schloss verdeckt wird. Hier vereint die Kunst verschiedene Stadien der Metamorphose in einem Gesamtwerk.

Ovids Metamorphosen und die Kunst

Ovid war ein antiker Dichter, der zur Regierungszeit von Kaiser Augustus im römischen Reich lebte. Zu Lebzeiten war er für seine erotischen Liebeselegien berühmt. In der Zeit um Christi Geburt begann er mit dem Verfassen von insgesamt 250 Geschichten, rund um das Thema Gestaltwandel. Seinem literarischen Kunstwerk gab er den Titel „Metamorphosen.

Zentraler Schwerpunkt seiner Erzählungen sind metamorphische Vorgänge in der Mythologie. So beschreibt er in einer Geschichte wie die Nymphe Daphne vor den Zudringlichkeiten des griechischen Gottes Apollo floh, indem sie sich in einen Lorbeerbaum verwandelte.

Ovids „Metamorphosen waren sehr beliebt und ihre Popularität überdauerte sogar den Tod des römischen Dichters und die folgenden Jahrhunderte. Kunstschaffenden aus verschiedenen Ländern dienten die Verwandlungsgeschichten als Motiv für ihre Gemälde und Skulpturen.

Nach Erfindung des Buchdrucks im Mittelalter, gewannen Ovids „Metamorphosen“ einen höheren Bekanntheitsgrad und Buchmaler ergänzten die Verwandlungsgeschichten mit kunstvollen Malereien. Das geschriebene Wort wurde zu einer besonderen Kunst-Form.

Auch Jahrzehnte später inspirierten die „Metamorphosen“ des antiken Dichters die Bildende Kunst. Berühmte Künstler der Renaissance und des Barocks, wie z.B. Caravaggio und Bernini, thematisierten die mythologischen Verwandlungserzählungen in ihren Kunstwerken.

Caravaggios bedeutendes Gemälde „Narziss“ beruht angeblich auf eine der Metamorphosen-Geschichten Ovids, in der sich der griechische Jüngling Narziss in sein eigenes Spiegelbild im Wasser verliebt.

Der römische Bildhauer Bernini hatte eine sehr bekannte Geschichte aus den „Metamorphosen“ als Grundlage für seine Marmorskulptur „Apollo und Daphne“ ausgewählt.

Zeitgenössische Kunst & Metamorphose

Aber auch in der modernen Kunst spiegelt sich die Faszination der „Metamorphosen“ wider. Pablo Picassos Illustration zu Ovids „Jupiter & Semele“ ist ein gutes Beispiel sowie einige der Werke von Max Beckmann, einem berühmten deutschen Maler.

Sogar in der Gegenwartskunst sind die Verwandlungsgeschichten Sujets vieler Gemälde. So zeigt z.B. das Werk des kanadischen Künstlers Patrick Treacy, mit dem Titel „Actaeon“, das erschrockene Gesicht eines jungen Mannes, aus dessen Kopf ein Hirschgeweih wächst. Die Metamorphose des Menschen zum Wildtier hat begonnen.

In dem Bild „Echos eines ewigen Narzissten“ von Kevin Richard, wird das beliebte mythologische Thema „Narziss“ auf moderne Art wiedergegeben.

 In Ovids Wandlungsgeschichte „Pygmalion“ wird eigentlich der Traum jedes Künstlers erzählt – Sein Kunstwerk wird zum Leben erweckt. Der Bildhauer namens Pygmalion wollte die vollkommene weibliche Statue erschaffen. Nach Vollendung seines Werks übermannen ihn Selbstzweifel, er verfällt in tiefe Depression, doch in diesem Moment verwandelt sich der marmorne Leib in Fleisch und Blut. Der Glaube und die Liebe zur Kunst werden wieder neu entfacht.

Diesen Augenblick hält der zeitgenössische Maler Steve Delamare in seinem Gemälde „Pygmalion“ fest.

Eschers Kunst und die Metamorphose

Maurits Cornelis Escher war ein holländischer Künstler und lebte von 1898–1972. In seinen Kunstwerken steht immer wieder das Motiv der Metamorphose im Vordergrund. Insbesondere seine Schaffenszeit von 1937–1945 wurde geprägt von Bildern, die sich mit dem Thema Wandlung beschäftigten. Dazu gehört insbesondere das Werk „Luft und Wasser I“. In diesem Holzschnittdruck verwandeln sich Vögel in Fische und bei Änderung des Blickwinkels glaubt der Betrachter, dass die Fische eher zu Vögeln werden. Dieses Motiv einer Metamorphose der Elemente Luft und Wasser sowie der beiden Spezies verwendeten später Künstler für Skulpturen und es ist bis heute auch als Kunstdruck sehr beliebt.

In einem weiteren Werk von Escher, mit dem Titel „Reptilien“, sieht der Betrachter wie kleine Echsen, die sich aus einer Zeichnung herauslösen, über ein Buch und Schreibtischutensilien klettern, bis sie wieder in das Blatt Papier zurückkehren. Oder sind es von Beginn an lebende Reptilien, die kurzzeitig zur Skizze werden, um dann wieder ihre wahre Gestalt anzunehmen? Eine Versinnbildlichung des Lebenskreislaufes.

 

Bild: Verlaufende digitale Farben. 

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Fragen und Antworten

Was versteht man unter Metamorphose?

Die Veränderung von Form oder Zustand. 

Wer war der begründer der Metamorphose?

Der Dichter Ovid.

Was hat die Metamorphose in der Kunst für eine Bedeutung?

Die Metamorphose hat in der Kunst eine große Bedeutung. Die bildende Kunst beispielsweise hat die Fähigkeit stetigen Wandel in einem Augenblick festzuhalten. 

Welcher Holländische Künstler stellt das metamorphose motiv in den vordergrund seiner werke?

Der holländische Künstler war Maurits Cornelis Escher lebte von 1898 bis 1972. 

Was wird im bild ,,Echos eines ewigen Narzissten'' wiedergegeben?

Dieser Meisterwerk ist eine moderne Interpretation des mythologischen Themas ,,Narziss“. Es wurde von Kevin Richard gemalt. Selbstspiegelung (als Ausdruck der Fixierung auf das Selbst) und der Automatismus des Echos (die fehlende Selbstbestimmtheit und das mangelnde Selbstbewusstsein in der Antwort) bilden die Gegenpole dieser fast tiefenpsychologischen Erzählung.

 

Von: Till Breuer, Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 10. April 2023
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