Liegt Kunstfälschung nur im Auge des Betrachters?

Kunstfälschung, Plagiat und Imitat, das sind eindeutig kriminelle Handlungen, bei denen ein Betrüger etwas erschafft, sei es ein Gemälde, eine Skulptur oder ein anderes Kunstobjekt, und dies unter falschen Angaben verkauft. Meistens handelt es sich um das Imitieren von Maltechniken berühmter Meister und die Gemälde werden als wiedergefundene Werke, die seit Jahren als verschollen oder unentdeckt galten, angepriesen. Aber so einfach ist die Definition von Kunstfälschung leider nicht und sogar die Juristen sind sich nicht unbedingt einig, wann ein imitiertes Werk als Falsifikat gilt.

KunstFälschung und seine Lange Geschichte

Kunstfälschungen existieren, seit die Menschheit den Weg zur Kunst gefunden hat. Im Gegensatz zu der heutigen Zeit, waren Kunstfälschungen in der vor Moderne nicht unbedingt verabscheuungswürdige Verbrechen. Seit langem schon beschäftigen sich Kunsthistoriker mit Plagiaten aus der Antike bis zu Imitationen um 1800. Der Begriff Kunstfälschung wurde in diesen Jahrhunderten nicht eindeutig eingegrenzt, war es doch durchaus legitim berühmte Künstler zu imitieren, solange niemand dadurch Schaden nahm.

Allerdings sah man im 19. und 20. Jahrhundert genauer hin, wann ein Werk echte Kunst oder eine Kunstfälschung war. Ebenso mussten sich immer mehr die Gerichte mit dem Thema Plagiatsvorwurf und Verletzung des Urheberrechts beschäftigen.

KuNSTfälschung wird gerichtlich verurteilt

Die belgische Fotografin Katrijn Van Giel fotografierte 2010 den flämischen Politiker Jean-Marie Dedecker. Dieses Foto faszinierte Luc Tuymans, ein gefeierter Maler und Landsmann von Van Giel, so sehr, dass er es als Vorbild für ein Portrait nahm und das Gemälde „A Belgian Politician“ erschuf. Die Fotografin warf dem Maler Kunstfälschung und Erstellung eines Plagiats vor und zog vor Gericht. In erster Instanz bekam sie Recht und Tuymans durfte sein Gemälde nicht mehr veröffentlichen.

Der Angeklagte ging in Berufung und letztendlich fanden beide Parteien zu einer Einigung.

 

Kunstfälschung, verschiedene Möglichkeiten

Es existieren unterschiedliche Wege, wie es zu einer Kunstfälschung kommt. Dabei ist eine Kunstfälschung nicht immer mit einem Kunstbetrug gleichzusetzen, weil bei einem Betrug die juristischen Voraussetzungen der Vorspiegelung falscher Tatsachen, Verschweigen derselben und die Absicht einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu gewinnen, vorliegen müssen. Bei einer Kunstfälschung ist das Vorzeigen oder Besitzen von gefälschten Dokumenten oder Expertisen ein Indiz auf ein Betrugsverbrechen.

Fälschung von Kunst entsteht durch:

  • Schönung und Übermalung. Gemälde leiden mit der Zeit. Um sie in ihrem ursprünglichen Zustand zu versetzen, werden die Kunstwerke restauriert. Übermalt der Restaurator aber große Teile des Bildes oder verändert Motive, spricht man von einer Schönung oder Übermalung.
  • Nachempfindung, Imitation. Viele Künstler haben ein Vorbild, dessen Malstil und -Technik sie bevorzugt kopieren. Sind diese Werke handwerklich gut gestaltet und verfügen über eine gefälschte Signatur, ist es schwierig sie als Kunstfälschungen zu identifizieren.
  • Kopie. Bei dieser Variante kopiert jemand ein Kunstwerk eins zu eins. Falls das Original dem Käufer nicht geläufig oder es vom Markt verschwunden ist, und der Verkäufer bietet es als das Werk des kopierten Meisters an, wird aus der Kunstfälschung Betrug.
  • Nachträgliche Signierung. Nicht immer hat ein Künstler sein Gemälde signiert oder die Signatur ist im Laufe der Zeit stark verblasst. Wer nun nachträglich signiert, begeht Kunstfälschung. Werke von unbedeutenderen Künstlern werden durch die Signatur eines berühmten Meisters aufgewertet.
  • Pastiche, Pasticcio. Bei dieser Form der Kunstfälschung wurden Werke verschiedener Künstler als Motiv genommen, um daraus eine eigene bildnerische Komposition zu erschaffen. So wurde sogar das berühmte Portrait „Mona Lisa“ von Leonardo da Vinci in ein verpixeltes Bild umgewandelt und grinst auf einem anderen Gemälde als gelbe Spielzeugfigur den Betrachter an.

Kunstfälschung oder doch wahre Kunst?

Ab wann ist ein Kunstwerk Eigeninspiration oder doch nur ein Imitat? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten: Ist das Abmalen eines Bilds im Internet bereits Kunstfälschung und das Ausdrucken desselbigen Diebstahl geistigen Eigentums?

Es existiert sogar eine eigene Kunstrichtung namens Appropriation Art, deren künstlerische Vertreter wie z.B. Sherrie Levine und Elaine Sturtevant bewusst Werke von Berühmtheiten à la Andy Warhol oder Liechtenstein kopierten. Die Grenzen zwischen echter Inspiration oder Imitieren von Kunst verschwimmen, aber in Zeiten der Digitalisierung wurde vom Bundesverband Deutscher Kunstversteigerer e.V. eine Datenbank der kritischen Werke ins Leben gerufen. Ebenso untersuchen das Rathgen-Forschungslabor in Berlin sowie das Doerner Institut in München verdächtige Kunstwerke und prüfen diese auf Ihre Echtheit. Mit der Verbesserung der technischen Möglichkeiten wird eine Kunstfälschung immer leichter entlarvt, dies ist für den kommerziellen Kunstmarkt von großer Wichtigkeit. Aktuell wird vermutet, dass ca. 40 Prozent der zu erwerbenden Kunstwerke schlichte Kunstfälschungen sind. Bei den Druckgrafiken liegt die Anzahl sogar bis zu 70 Prozent.

Sieht man sich nochmal genauer das Beispiel von dem Gemälde des belgischen Malers Tuymans „A Belgian Politician“ an, wird deutlich wie schwierig die genaue Abgrenzung von Kunstfälschung ist. Tuymans hatte die Originalfotografie des Politikers als Motiv genommen und sah sein eigenes Gemälde als Parodie.

So kann man sich auch fragen: Stellt bereits eine detaillierte Beschreibung, mündlich oder per Schriftform, eines Werks eine Kopie dar? Im Kopf des Zuhörers oder Lesers entsteht ein geistiges Bild, ähnlich wie beim Betrachten einer bemalten Leinwand.

Gerade das Internet mit seiner überbordenden Menge an Bildern und Informationen, ist ein Tummelplatz für Verletzung des Urheberrechts, Plagiaten und Kopien. In der alltäglichen Welt scheinen Kunstfälschungen viel häufiger vorzukommen, als allgemein angenommen und vielleicht hat man sogar selbst schon mal unwissentlich Kunst kopiert und gefälscht.

 

Bild 2: Frauenhände die ein Bild malen. Quelle: Freenik

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Fragen und Antworten

Welches Gemälde auf der Welt wurde am oftesten gefälscht?

Die Mona Lisa von Leonardo da Vinci. 

Was Sind die Arten der Kunstfälschung?

Die verschiedenen Arten der Kunstfälschung sind Schönung und Übermalung, Nachempfindung und Imitation, Kopie, Nachträgliche Signierung und Pastiche.

Welche Institutionen Überprüfen in Deutschland Kunstwerke auf ihre Echtheit?

In Deutschland prüft unteranderem das Rathgen-Forschungslabor aus Berlin und das Doerner Institut aus München Kunstwerke auf ihre Echtheit. 

Was bedeutet Pastiche?

Bei dieser Art der Fälschung werden berühmte Werke als Motiv genommen um daraus eine eigene Komposition zu erschaffen. 

Was ist eine Kopie?

Bei einer Kopie handelt es sich um ein exakt kopiertes Kunstwerk.

Quellen & weiterführende Informationen

Quellen:

  • Bild 1, Freepik, Bild von <a href=“https://de.freepik.com/fotos-kostenlos/bunte-3d-formen-im-dampfwellenstil_14568081.htm#query=mona%20lisa&position=8&from_view=search&track=ais“>Freepik</a>
  • Bild 2, Freepik, Bild von <a href=“https://de.freepik.com/fotos-kostenlos/blick-von-oben-auf-attraktive-frauenhaende-die-in-einer-modernen-gemuetlichen-kunstwerkstatt-ein-erstaunliches-bild-auf-leinwand-zeichnen_22549519.htm#query=Malen%20Kunst&position=1&from_view=search&track=sph“>Bild von garetsvisual</a> auf Freepik
Von: Till Breuer, Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 15. August 2023
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